Eigentlich wollten wir über Ostern mit der ganzen Truppe ins Lot fahren, das schlechte Wetter und die miesen Bedingungen machten dieses Vorhaben leider zunichte. Alle Bemühungen einen passenden Ersatztermin zu finden waren ebenfalls umsonst. Da es für mich (Oliver) aufgrund der Arbeit / des Studiums die letzte Möglichkeit war vor dem Herbst, habe ich mich spontan entschlossen alleine ins Lot zu fahren.

Samstag 27.04.2013

Die rund zehnstündige Fahrt ins Lot verlief ereignislos, dauerte gefühlt jedoch eine Ewigkeit. Gegen Mittag bin ich in der Moulin de Lantouy (Umgebung Cajarc) angekommen. Nach der sehr herzlichen Begrüssung durch die Besitzer Martin und Simon, einem kurzen Rundgang und dem Entladen der Ausrüstung habe ich mich erst einmal für 3 Stunden aufs Ohr gelegt. Kaum wach, begab ich mich voller Vorfreude an die Ressel um die Bedingungen zu checken. Getaucht wurde mit leichtem Gepäck, KISS auf dem Rücken und zwei Stages sidemount befestigt als Bailout. Der Tauchgang führte mich bei guten Bedingungen (10-20m Sicht und ein wenig Flow) rund 400m in die Höhle hinein. Am Fuss des Schachts auf -45m einen kurzen Blick in den tiefen Teil geworfen und dann umgedreht. Die Sicht im tiefen Bereich der Höhle war für deren gigantischen Ausmasse eher mittelmässig, verglichen mit meinem ersten Aufenthalt letzten Herbst lagen Welten dazwischen. Die endlose, leicht bläuliche Sicht suchte ich diesmal leider vergebens. Jammern auf hohem Niveau 😉

Sonntag 28.04.2013

Früh Morgens begab ich mich an die Source de Landenouse, um einen der wenigen Parkplätze zu sichern. Getaucht wurde mit dem Sidemount-CCR und drei Stages, welche ich in Abständen von 300m an der Leine abgelegt habe. Mit sehr gemütlichem Tempo flösselte ich rund 1000m in die Höhle hinein, bis in eine Tiefe von -50m. Die (milchige) Sicht war mit 5-7m in Ordnung, für die Gangdimensionen zumindest ausreichend. Nach rund 2.5 Stunden war ich wieder an der Wasseroberfläche.

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Direkt im Anschluss ging es weiter an die Ressel. Während der Fahrt noch kurz ein Sandwich verdrückt und schon hiess es wieder Material herumschleppen. Geplant war die Betauchung der Galerie Superieure und der Galerie Profonde. Das Limit setzte ich bei 60min Grundzeit auf durchschnittlich 58m Tiefe, dies reichte um beide Seiten separat vom 830m Punkt zu betauchen. Zuerst die Tiefe Seite (Profonde), zurück getaucht und anschliessend Galerie Superieure in Angriff genommen. Getaucht wurde mit dem KISS-CCR und Sidemount-CCR als erste Redundanz. Zusätzlich habe ich beim reintauchen OC-Dekogase bei den entsprechenden Punkten abgelegt. In der Tiefe hatte ich somit KISS + BO-CCR und zwei Tiefenstages zur Verfügung, wovon eine bei 830m abgelegt wurde. Ein zweiter Scooter wurde permanent mitgeführt.

Nach einer Gesamttauchzeit von 4h15min tauchte ich zu fortgeschrittener Stunde in de Célé auf. Insgesamt war ich diesen Sonntag knapp 7h im Wasser, ein gewaltiges Pensum wie mir mein Komatöser Schlaf diese Nacht bestätigte.

Montag 29.04.2013

Der Tag startete ungewöhnlich spät, nach gemütlichem Ausschlafen und ausgiebigem Frühstück. Es ging wieder an die Ressel, da ich am Vortag die OC-Gase und den Backup-Scooter in der Höhle belassen habe. Kurz nach dem Mittag tauchte ich abermals in die Höhle, checkte beim vorbeitauchen meine Deko-Stages und nahm im Schacht (400m) nach einer Funktionskontrolle den Backup-Scooter auf. Getaucht wurde ein „Extended-Deep-Loop“ (bis „Jump“ Galerie Nord / Übergang 2′ Partie) in gemütlichem Tempo auf dem Sidemount-CCR. Das Rückengerät verwendete ich als Redundanz. Selbst nach 2.5 Stunden war das Atmen angenehm und keinesfalls ermüdend.

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Am Abend schaute ich noch in der „le cunhac“ vorbei, getaucht wurde Sidemount zum Versturz. Die Strömung im Fluss war recht flott, nach einem erfolglosen Versuch habe ich den Scooter aus dem Auto geholt und mich zum Eingang gekämpft. Zum Glück wusste ich noch ungefähr wo sich dieser befindet, ansonsten hätte man kaum eine Chance gehabt bei der Strömung und der schlechten Sicht. In der Höhle tummelten sich massenweise Fische, wahrlich ein Spektakel! Kurz den Versturz am Ende der Leine begutachtet und gemütlich zurück getaucht.

Dienstag 30.04.2013

Am Dienstag begab ich mich zur „Fontaine de Saint Georges“, welche von aussen betrachtet schon einmal sehr vielversprechend aussah. Letztes Jahr haben wir aufgrund der schlechten Bedingungen in dieser Höhle auf einen Tauchversuch verzichtet, umso mehr freute ich mich nun auf den bevorstehenden Tauchgang. Gemütlich scooterte durch den ersten Siphon, die lange flache Passage und schliesslich den Schacht hinunter auf -78m. Ich beliess es bei einem kurzen Drop und genoss die super Bedingungen (10m+) auf dem Rückweg.

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Am Nachmittag stattete ich der „Fontaine du Truffe“ einen Besuch ab. Damit die Eingangspassage nicht zu einfach wird, ging ich mit dem KISS ans Werk. Nach ein paar Minuten buddeln mit einem zweckentfremdeten grossen Kochlöffel konnte ich mich durch die Engstelle quetschen. Diese Höhle war wirklich ein Hochgenuss, glasklare Sicht und wunderschöne Gänge. Nach einer faszinierenden Stunde begrüsste mich die Sonne und ein paar Wanderer an der Wasseroberfläche.

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Mittwoch 01.05.2013

Früh Morgens zog es mich abermals an die Ressel. Ich kannte die Höhle bis anhin auf einer Länge von ca. 1300m und habe mehr als 20 Stunden darin verbracht. Wenn mir eine Höhle wohl gesonnen ist, dann die Ressel! Für den heutigen Tag habe ich die „1550m-Marke“ (Tiefste Stelle der Ressel mit -78m) ins Auge gefasst. Passagen tiefer als -55m habe ich dabei mit vollem Speed zurückgelegt um die Dekompressionsverpflichtung nicht unnötig in die Höhe zu treiben. In Minute 18 habe ich die 39m Marke überschritten, nach 73 Minuten befand ich mich auf selbiger beim ersten Dekostop. Der gesamte Tauchgang dauerte 200 Minuten.

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Donnerstag 02.05.2013

Noch am Mittwoch Abend, fasziniert vom Tauchgang in der Ressel, plante ich dessen Durchquerung. Ziel war das Auftauchen im Lac Isler, der Auftauchstelle am Ende des Hauptganges in 1850m Entfernung. Abgesehen vom Tauchgang ist die grösste Herausforderung dabei mentaler Natur. Rund eine Stunde alleine hinter einem mehr als 1800m langen Siphon (wovon 1200m zwischen 45-80m liegen) zu dekomprimieren ist sicher nicht jedermanns Sache.

Wie immer kontrollierte ich meine beiden Kreislaufgeräte mit grosser Sorgfalt und stellte das übrige Material zusammen. Nebst den Kreislaufgeräten, den Scootern, Lampen- / Heiztanks usw. wurde diesmal eine kleine Trockenröhre mitgeführt. Darin enthalten: Rettungsdecke, Nasenspray, Schmerzmittel, Verpflegung (Snickers, Getreidestängel), eine Wollmütze sowie ein Fotoapparat.

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Hauptscooter: Silent Submersion, Lithium Batterien und el. Geschwindigkeitsregulierung für bis zu 5h Runtime

Den Weg durch die Tiefen Gänge kenne ich mittlerweile blind, so konnte ich die ganze Strecke durchscooten. Ab einer Tiefe von -55m wie immer mit Vollgas. Nach rund 45min Tauchzeit begann ich mit dem Aufstieg im mir bisher unbekannten Schacht. Während den ersten Dekostops schaute ich noch kurz in den Abzweiger zur Auftauchstelle „Lac du Blocs“ und arbeitete mich anschliessend Stufe um Stufe an die Wasseroberfläche. Erstaunlicherweise war ich hier hinten nicht alleine, etwa ein Dutzend Fische drehten nahe der Auftauchstelle ihre Runden. Nach 120 Minuten und einer konservativen Dekompression streckte ich mein Kopf aus dem Wasser. Im Anschluss an das Ablegen der Ausrüstung setzte ich mich mit dem Gerät auf einen passenden Stein (immer noch auf dem Loop) und prüfte mit dem zweiten Kreislaufgerät die Umgebungsluft auf dessen Sauerstoffgehalt. (18-19%) Nach dem deponieren des Rückengeräts war ein bequemes Plätzchen für ein Picknick schnell gefunden. Der geborene Höhlenfotograf bin ich definitiv nicht, trotz vielen Aufnahmen waren nur ganz wenige einigermassen brauchbar.

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Luft als Diluent für 80m? Nein, die 40cuft diente als Anzuggas und OC-Bailout zwischen -10 und 0 Meter.

Ein schönes Gefühl, wenn man in einer Höhle das Licht ausschaltet und einige Zeit die absolute Ruhe und Abgeschiedenheit geniessen kann. Der Aufenthalt dauerte gut eine Stunde, ein erster Rücktauchversuch musste ich bereits auf 8m aufgrund des Druckausgleichs abbrechen. Der Nasenspray erwies sich als sehr hilfreich.

Zum zweiten mal abgetaucht, Scooter aufgenommen, letzte Checks und dann den Schacht hinuntergescootert, Wahnsinns Gefühl! Auf -60m verweigerte mein Tauchcomputer wegen einer Batterieschwäche den Dienst, fast zeitgleich und 20m tiefer verabschiedete sich auch noch meine Hauptlampe. Beides kein Problem durch nötige mehrfache Redundanz. Den Computer konnte ich Minuten Später wieder einschalten, die Hauptlampe ist leider aufgrund eines Wassereintritts defekt. Die Restliche Rückreise und Deko verlief Ereignislos und ich tauchte zwei Stunden später zufrieden in der Célé auf.

Freitag 03.05.2013

Am Freitag stattete ich der „Gyffre de Lantouy“ einen kurzen Besuch ab. Super schöne Location, entschädigt absolut für das eher kurze Tauchvergnügen. Anschliessend machte ich eine kleine (dreistündige) Wanderung einem trockenen Flussbett entlang um deren Höhle (Glaube es ist die Brive) zu finden.

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In der Nacht auf Samstag trat ich schliesslich die Heimreise an. Rückblickend hatte ich viel Glück mit dem Wetter, denn entgegen der Vorhersagen wurde ich nur einmal kurz mit Regen konfrontiert. Ansonsten war es die ganze Woche trocken und die Bedingungen waren durchgehend überall sehr gut! Ich habe viele neue spannende Leute kennengelernt und hatte, obwohl ich alleine in Frankreich war eine super Zeit. Mit über 30 Stunden (über 5h / Tag) unter Wasser habe ich vor allem das gemacht, weswegen ich gekommen bin: Höhlentauchen!

Gastbeitrag von Oliver, 05.05.2013

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